
Schon lange vor seinem Debütalbum „In Between“ wurde Marek Hemmann als eine musikalische Sonderklasse gehandelt. Seine Musik ist auf’s Minimale reduziert und garantiert maximale Tanzfreuden. Nun darf auch Potsdam den Meister zum nächsten Boogie 3000 begrüßen.
Was sieht der junge Mann höflich aus, mit seiner eckigen Brille – mit verstärkten Rahmen, versteht sich – und den schlichten, meist grauen Shirts. Die Benutzung eines Computers traut man ihm schon allein wegen des Nerd-Aussehens durchaus zu – das erzeugen von revolutionären Sounds, die seit den neunziger Jahren die deutsche Clubszene bewegen, eher weniger.
Der Weg nach oben begann für Hemmann, wie für so viele, mit einer Gitarre. Doch da „anyone can play the guitar “ ging es auch für den jungen Meister aus Gera schon bald weiter Richtung Samplers und Synthesizern. Sicherlich waren die Technopartys Ende der Neunziger für diesen Umschwung verantwortlich, aber es hat sich bislang noch keiner über Hemmanns Umorientierung beschwert. Im Gegenteil, erste Erfolge konnten in der Heimatstadt verbucht werden und schon bald stand fest, dass die Bühne ruft. Als professioneller Liveact bereicherte Hemmann von da an Ohren und Gemüter, zwar mit verhältnismässig wenig Technik, aber mit einer geballten Ladung klangvoller Schmankerl.
Der individuelle Sound zeichnet sich durch einen gewissen Minimalismus aus, der, untermauert von soliden House-Beats, eine Klasse für sich ist. Freunde der elektronischen Tanzmusik schätzen vor allem den subtilen, doch tiefen Bass und die clevere Einbindung von anderen Musikeinflüssen, sowie Vocals und Percussion. Eine eingängige Melodie schadet natürlich auch nicht.
Der Jäger und Sammler von feinen Tönen housiert seit 2005 in Jena und seine Werke sind nicht selten von der jungen Studentenstadt beeinflusst – ein junger, frischer Sound, der auch das Debütalbum „In Between“ prägt, das bei seinem Label Freude am Tanzen 2009 erschienen ist. 2011 dann der nächste Knüller: „Only Our Hearts To Lose“ (ebenfalls bei Freude am Tanzen), bei dem Marek in Zusammenarbeit mit Fabian Reichelt einen reiferen Sound hinlegt, der sich zwar wieder durch einen gewissen Minimalismus auszeichnet, doch um die Vocals von Reichelt bereichert wird.
Die Kooperation ist nicht die erste, schon seit der Veröffentlichung von „Left“ dürfte man auf weitere große Projekte der beiden gewartet haben. Die zahllosen Remixes und Singles sind nur durch eine Liveperformance des Künstlers zu überbieten und Potsdam bekommt nun eine einmalige Gelegenheit sich eine Ladung Hemmann live zu setzten – lobet und preiset!
Der nächste Boogie 3000 trumpft wieder mächtig auf und es darf schon vorab vor Aufregung gezappelt werden. Neben Marek Hemmann werden die Turntables auch dem Augsburger Daniel Bortz überlassen, der sich seit „My Own Religion“ (2005) und dem Remix „Limit to your love“ in die zum Beat schlagenden Herzen der Clubbesucher gespielt hat. Mit Dressman oder Daniel Stefanik liegt man ohnehin nie falsch und sollte dennoch gezweifelt werden, packen die Veranstalter noch Jedes Mal Kino und Leonid Weidemann mit ins Gepäck.
Wer ein solches Line-Up gleich zum Anfang des Jahres hinlegt, meint es mit der unterhaltsamen Tanzmusik verdammt ernst.
Raphaela Marx